Was ist Pflege?

Die Definition der Pflege nach ICN (International Council of Nurses):
Pflege umfasst die eigenverantwortliche Versorgung und Betreuung, allein oder in Kooperation mit anderen Berufsangehörigen, von Menschen aller Altersgruppen, von Familien oder Lebensgemeinschaften, sowie von Gruppen und sozialen Gemeinschaften, ob krank oder gesund, in allen Lebenssituationen (Settings).
Pflege schließt die Förderung der Gesundheit, Verhütung von Krankheiten und die Versorgung und Betreuung kranker, behinderter und sterbender Menschen ein.
Weitere Schlüsselaufgaben der Pflege sind Wahrnehmung der Interessen und Bedürfnisse (Advocacy), Förderung einer sicheren Umgebung, Forschung, Mitwirkung in der Gestaltung der Gesundheitspolitik sowie Management des Gesundheitswesens und in der Bildung.

Die Realität sieht leider anders aus. Gespräche mit Patienten, die zwischen Tür und Angel stattfinden, immer schon am Sprung, um zum nächsten Patienten zu hetzen. Patienten, die auf ihre Schmerzmedikation eine halbe Stunde warten müssen, da eine(r) der beiden Dipl. KrankenpflegerIn, die im Dienst sind, gerade zu einem Patienten hetzt, der über Atemnot klagt. Der/ die andere Dipl. KrankenpflegerIn plagt sich gerade, um einem Patienten beim Transfer vom Rollstuhl ins Bett zu helfen. Dieser kann ja nicht warten, er würde sonst alleine aufstehen (weil er kognitiv beeinträchtigt ist, oder uneinsichtig ist – es gibt viele Gründe) und womöglich noch stürzen. Manchmal lernt man Patienten im Tagdienst erst bei der letzten Runde vor der Übergabe kennen, da man bisher keine Zeit fand, sie auf der Station zu begrüßen und sich vorzustellen. Manchmal aber geht der Tag zu Ende, ohne daß man manche Patienten ein einziges Mal zu Auge bekommt. Trinkpausen für die Pflegepersonen werden immer wieder verschoben, da schon die nächste Glocke läutet und Arbeit, die nicht warten kann, verspricht. Ganz zu schweigen von einer warmen Mahlzeit, die man in Ruhe genießen kann. Dazwischen wird die Grundpflege erledigt, dokumentiert, Pflegeplanungen erstellt, Infusionen vorbereitet und angehängt, Patienten die bettlägerig sind werden gelagert, Medikamente ausgeteilt, Essen und Getränke verabreicht, Visite ausgearbeitet, Fragen von Patienten oder Angehörigen beantwortet, Aufnahme- oder Entlassungsgespräche geführt, Inkontinenzprodukte verteilt, eine Kanne mit heißem Wasser noch schnell auf Zimmer Zwei gebracht – die Abteilungshelferin ist gerade auf der Nebenstation beschäftigt.

Meist geht man mit einem unguten Gefühl in der Bauchgegend aus dem Dienst. Hab ich etwas vergessen? Hab ich bei der Dienstübergabe meinen Kollegen alles wichtige erzählt? Noch bei der Fahrt nach Hause sind wir in Gedanken bei der Arbeit und manchmal raubt sie uns dann noch unseren Schlaf. Abschalten, alles hinter sich lassen – unter diesen Voraussetzungen und unter dem immer größer werdenden Druck (psychisch und körperlich) dem man Tag für Tag ausgesetzt ist, das stellt eine neue Herausforderung dar.

Wir setzen uns Tag für Tag für kranke, schwache, behinderte und beeinträchtigte Menschen ein. Aber wer setzt sich für uns ein?

Wer kämpft, kann verlieren.
Wer jedoch nicht kämpft,
der hat schon verloren.

Also setzen wir uns GEMEINSAM ein, für mehr Anerkennung in der Gesellschaft, für mehr Personal und Lohn…
… damit wir wieder professionell unserem Beruf nachgehen können,
… damit wir wieder zufrieden und mit einem guten Gefühl aus dem Dienst gehen können,
… damit wir wieder Freude an unserem Beruf haben,
… damit wir nicht selbst zum Patienten werden.

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